Verkehrsauskunft Österreich und Open Data

Logo-VAOIn Diskussionen zum Thema Öffi Open Data wird sehr häufig das Projekt „Verkehrsauskunft Österreich“ (VAO) erwähnt, sowohl als perfekte Quelle für Öffi Daten, als auch als Erklärung dafür, warum ein Verkehrsverbund seine Daten nicht direkt anbieten möchte – es wäre doch „vernünftiger,“ dies über die VAO zu machen. Aber ist die VAO ein Open Data Projekt? Bietet sie dieselben Daten wie die Verkehrsverbünde? Das VAO Team war so freundlich, uns einen Einblick in die Zukunft des Projekts zu ermöglichen. Folgendes haben wir herausgefunden:

Executive Summary

  • VAO Server bietet Routen/Abfahrtsdaten für fast ganz Österreich
  • Derzeit keine Pläne, den VAO Server als Open Data Server zu betreiben
  • Daten bleiben im Besitz der Verkehrsverbunde
  • VAO Server hat erst ab 2015 Echtzeitöffidaten

 

vao-screenshotDie VAO ist ein Projekt welches versucht, die Daten der Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen, sodass man über einen Server sämtliche Geo-, Routen- und Abfahrtsdaten abrufen kann. Ein Benutzer kann sich also eine Öffi Route über die Grenzen eines Verkehrsverbundes hinweg berechnen lassen und kann über den selben Server die Abfahren in St. Pölten wie auch in Graz abrufen. Für Entwickler, die gerne mit den Öffi Daten arbeiten würden, also ein theoretisch sehr guter Server. Man könnte mit diesem Server Apps schreiben, die in ganz Österreich funktionieren. Der VAO Server ist also eine gute Lösung, aber gleichzeitig, zumindest im Moment, keine Lösung für das Open Data-Problem in Österreich.

 

Das Open Data Problem

Die VAO ist kein Open Data-Projekt. Das Projekt existiert, damit die Projektpartner künftig die VAO Webmaske in ihre Seiten einbauen und somit keine eigene Webmaske mehr betreiben und warten müssen. Was darüber hinaus passieren soll, wird erst später entschieden. Die langfristige Finanzierung ist ungeklärt, und so wird überlegt, die Nutzungsrechte für den Server an Google, TomTom, etc. zu verkaufen, um Geld einzuspielen. Zusätzlich gehört der Server  zwar der VAO, die Daten bleiben aber im Besitz des jeweiligen Projektpartners. Somit kann die VAO nicht selbständig entscheiden, ob der Server künftig Open Data ist oder nicht; alle Projektpartner müssen ihr OK geben. Keiner der „Öffi“ Partner hat derzeit Routen oder Abfahrts- Open Data. Keiner hat öffentlich angedeutet, dass diese kommen werden. Wir wissen, wie schwierig es ist, nur einen Verkehrsverbund von Open Data zu überzeugen. Wie schwierig ist es wohl, alle gleichzeitig zu überzeugen?

 

Das Echtzeit- und Rohdatenproblem

Der Server der ÖBB bietet Echtzeitdaten.

Der Server der ÖBB bietet Echtzeitdaten.

Alle Verkehrsverbunde haben Plandaten. Manche Verkehrsverbunde haben auch Echtzeitdaten, können also anzeigen, ob ein Verkehrsmittel vielleicht Verspätung hat oder zu früh kommt – eine sehr wertvolle Information für Nutzer der Öffis. Die VAO arbeitet derzeit mit Öffi Plandaten, Echtzeitdaten werden erst 2015 hinzugefügt. Über die bereits vorhandenen Schnittstellen der ÖBB, Linz, Wien und Tirol können User und Entwickler diese Echtzeitdaten aber bereits heute abrufen. Für User und Entwickler, die an Echtzeitdaten interessiert sind, ist die VAO also frühestens 2015 interessant.

Der VAO Server ist ein Service – auf dem Server liegen keine Rohdaten. Für die Entwickler, die Rohdaten benötigen (zum Beispiel um einen ganz eigenen Routingalgorithmus zu schreiben), scheidet der VAO Server aus.

 

Zusammenfassung

Die VAO ist eine technisch schöne Lösung und könnte auf einen Schlag Österreich in Sachen Open Data einen riesigen Sprung weiter bringen. Wer aber denkt, dass Öffi Open Data Problem ist derzeit durch die VAO gelöst, irrt. Zwar haben alle Parteien bekräftigt, dass der VAO Server ein Open Data Server sein sollte, doch die Daten gehören den Verkehrsverbünden und so kann die Politik nur indirekt Einfluss nehmen. Es sind auch nicht alle Öffis Teil von der VAO. Die ÖBB, die keine eigene Open Data Lösung anbieten möchte sondern auf die VAO verweist, ist kein Partner der VAO. Es bleibt dabei: Die momentan schnellste und beste Lösung ist es, wenn die jeweiligen Verkehrsverbunde ihre bereits vorhandenen Server mit dem Vermerk „Open Data“ versehen. Wenn die Zukunft der VAO geklärt ist – und diese in Richtung Open Data geht – steigen Entwickler gerne um. Bis dahin können Verkehrsverbunde aber nicht auf die VAO als Open Data Lösung verweisen und damit alle Eigenüberlegungen einstellen.

Hinweis: am 14.11 findet ein OKF-AT MeetUp zu “Open Transport Data” statt. Infos, Programm und Anmeldung gibt es hier.